Zum Hauptinhalt springen
Hände, die über Weizen streichen

Mitte

So erlebt man Spaniens Mitte.

Sie ist das Rascheln des goldgelben Weizens. Sie duftet nach wildem Thymian und altem Stein. Eingehüllt in eine unermessliche Stille, die die Seele umhüllt, und den starken Wind. Städte voller Trubel und kleine Oasen der Ruhe.

Kapelle „Cristo de la Luz“

Beim Streichen mit den Fingerspitzen über das Gitter spürt man den Temperaturunterschied und die raue Textur des schmiedeeisernen Gitters. Ein taktiles Leseerlebnis, das an die handwerkliche Geschicklichkeit der Kunsthandwerker vor der ehemaligen Moschee „Cristo de la Luz“ in Toledo anknüpft.

Im Vordergrund ist ein dunkles Eisengitter mit spitzen Enden zu sehen, das an eine Fassade aus Mauerwerk, Ziegeln und blinden Hufeisenbögen angrenzt. Sobald man es berührt, spürt man unter den Fingerspitzen die kalte, poröse Festigkeit des Metalls. Man nimmt die Unvollkommenheiten des auf dem Amboss geschmiedeten Eisens wahr, dessen stumpfe Kanten durch die ständige Witterungseinwirkung geglättet wurden, sowie die leicht wellige rostige Oberfläche, die in starkem Kontrast zur rauen Trockenheit der dahinter erahnbaren Mauer steht. Dieses Gitter umgibt die Kapelle des „Cristo de la Luz“, die ursprünglich im Jahr 999 als Moschee errichtet wurde. Die physische Begrenzung schützt das älteste vollständig erhaltene Gebäude Toledos mit einem Geflecht aus sich kreuzenden Rippen, das im Kleinen die architektonische Kunstfertigkeit der Kalifen widerspiegelt.

Pasaje Lodares Albacete

Wenn man die Galerie der Pasaje de Lodares betritt, spürt man, wie sich die Geräusche der Stadt verwandeln. Die große Glasüberdachung fängt die Gespräche und Schritte ein und verwandelt sie in ein diffuses, kontinuierliches Gemurmel unter dem eleganten Dach dieser monumentalen Galerie in Albacete.

Ein imposantes Dach aus Eisen und Glas taucht die verzierten Fassade, in natürliches Licht. Geschmückt mit schmiedeeisernen Balkonen und klassischen Säulen bilden sie eine schmale, überdachte Gasse. Wenn man sie durchquert, spürt man, wie dieses transparente Gewölbe die akustische Wahrnehmung völlig verändert. Sobald man hineinkommt, verstummt der Trubel draußen. Stattdessen prallen die Geräusche der Schritte auf dem Pflaster und die Stimmen von Glas und Stein ab und erzeugen ein diffuses Gemurmel, einen gedämpften Nachhall, der ohne klares Echo ansteigt. Diese akustische Atmosphäre umgibt die Pasaje de Lodares in Albacete, eine der wenigen modernistischen Passagen dieser Art in Spanien, die im eingehenden 20. Jahrhundert nach dem Vorbild der eleganten italienischen Passagen erbaut wurde, um die Fußgänger vor den Witterungseinflüssen zu schützen.

Casa del Arco

Unter dem Balkon der Casa del Arco beschleicht einen das Gefühl, dass die Zeit im Takt der mechanischen Glocken still steht. Die Figuren drehen sich langsam, während eine altherkömmliche Melodie das Ambiente auf der Plaza Mayor von Ciudad Real erfüllt.

Eine Uhr mit weißem Zifferblatt krönt einen schmiedeeisernen Balkon, der von Säulen mit Bronzeglocken flankiert wird. Darauf sind die Figuren von Cervantes, Don Quijote, der ein Schwert emporhebt, und Sancho Panza zu sehen. Beim Anschlagen der Stunde ist zunächst das tiefe Reiben der Zahnräder zu hören, wenn diese in Gang gesetzt werden. Unmittelbar danach durchbricht das metallische Läuten der Glocken das Stimmengewirr auf der Straße. Die klaren, hohen Töne des Glockenspiels lassen traditionelle Melodien erklingen, die von den Arkaden widerhallen und einen rhythmischen Nachhall erzeugen, der den Raum erfüllt. Diese monumentale Uhr wurde anlässlich des 750. Jahrestages der Stadt an der Casa del Arco angebracht und verwandelte den ehemaligen Sitz des Stadtrats an der Plaza Mayor von Ciudad Real in einen Ort, an dem die Literatur ihren eigenen Soundtrack hat.

Brücke San Pablo

Beim Überqueren der San-Pablo-Brücke spürt man mit jedem Schritt die unregelmäßige Struktur ihrer Dielen und das leichte Schwingen der Leere unter den Füßen. Ein ununterbrochener Kontakt beim Überqueren der Huécar-Schlucht in Cuenca.

Eine lange Brücke mit granatroten Metallgeländern und Boden aus Holzplanken erstreckt sich über eine grüne Schlucht und lenkt den Blick auf alte Häuser, die mit dem Rand der Klippe verschmilzen. Von diesem Punkt aus spürt man unter den Schuhsohlen das asymmetrische Relief und die natürlichen Vertiefungen des Stegs. Bei jedem Schritt fühlen Sie, wie die Konstruktion eine sanfte Schwingung überträgt, ein leichtes Zittern, das durch den Wind und die Spannung hervorgerufen wird. Das kalte und feste Geländer steht im Kontrast zu diesem Gefühl der Instabilität über dem Abgrund. Die charakteristische Schwingung der San-Pablo-Brücke in Cuenca ist auf ihr fast 100 Meter langes Eisengerüst zurückzuführen, das in 40 Metern Höhe aufgehängt ist, um das steile Gelände gegenüber den Hängenden Häusern zu überbrücken.

Brihuega

Ein Spaziergang durch die Calle Rey während der Blütezeit ist wie ein Eintauchen in einen von Lavendelduft erfüllten Luftstrom. Das blumige und kräuterartige Aroma durchdringt jeden Winkel der festlich geschmückten Straßen von Brihuega in Guadalajara.

Eine ockerfarbene Fassade, die von unten gezeigt wird, mit schmiedeeisernen Balkonen, die mit aufgeklappten lila Regenschirmen und mit violettem Stoff behangenen Blumenkästen vor strahlend blauem Himmel geschmückt sind. Wenn Sie dort entlanggehen, spüren Sie, wie ein warmer Luftzug Sie mit einem intensiven, durchdringenden Duft umhüllt. Die süßen blumigen Noten vermischen sich mit einer intensiven, wilden, kampferartigen und dezent balsamischen Note. Es ist der Duft von frisch geschnittenem Lavendel, der den Asphalt erfüllt und die ganze aromatische Kraft der Pflanze mit der Ruhe eines gemächlichen Spaziergangs verbindet. Diese duftende Atmosphäre verleiht der in der Region Alcarria gelegenen Ortschaft Brihuega ein völlig neues Flair. In ihrer Umgebung erstrecken sich fast tausend Hektar Lavendelfelder, die für die Produktion von etwa zehn Prozent des weltweit gewonnenen Lavandin-Öls verantwortlich sind.

Kathedrale von León

Wenn man mit den Fingerspitzen über das geschnitzte Holz streicht, ist es, als würde man eine Geschichte im Relief lesen, dessen Maserung mit den Hiebspuren des Meißels verschmilzt. Diese tiefgreifende taktile Erkundung wartet in den imposanten Toren der Kathedrale von León.

Ein großes, dunkles Holztor, das mit aufwendigen geometrischen Motiven und geschnitzten Paneelen verziert ist, erhebt sich neben robusten, mit gotischen Skulpturen geschmückten Steinsäulen, aus denen eine steinerne Figur der Jungfrau Maria mit dem Kind besonders hervorsticht. Es genügt, diese Oberfläche leicht zu berühren, um unter den Fingerspitzen den deutlichen Kontrast in Temperatur und Material zu spüren. Der kalten, porösen Rauheit des Kalksteins an den Säulen steht das warme Trockene des alten Holzes entgegen. Folgt man den Konturen, spürt man die tiefen Vertiefungen des Meißels, die präzisen Kanten der Reliefs und die Glätte, die durch jahrhundertelange Berührung durch Menschenhand entstanden ist. Dieser Eingangsbereich der Kathedrale von León, bekannt als „Pulchra Leonina“, gilt als Meisterwerk der Gotik. Seine Säulengänge sind wie riesige dreidimensionale Bibliotheken gestaltet, die dazu gedacht sind, einer Bevölkerung, die nicht lesen kann, die Welt anhand von Büchern zu erklären.

Zamora Aceitadas

Auf der Rúa de los Francos lässt sich ein anhaltender, süßlicher Anisduft erschnuppern, der die Atmosphäre prägt. Das Aroma von frisch gebackenem Gebäck führt durch die Straßen der Altstadt direkt ins Bäckerherz von Zamora.

Auf einem hellen Holzbrett liegen mehrere rustikal anmutende goldgelbe Aceitadas. Im Vordergrund ist eine davon in der Mitte durchgebrochen, wobei eine dichte, kompakte und körnige Krume sichtbar wird. Wenn Sie durch die Rúa de los Francos schlendern, spüren Sie, wie die Luft vom einladenden Duft nach frisch gebackenem Gebäck, mit Nuancen von geröstetem Öl und intensiven, süßen Anisnoten durchdrungen wird. Das intensive Aroma umhüllt die Straße und schwebt dicht in der Luft. Diese charakteristische Duftlandschaft ist auf eine traditionelle Konditorei zurückzuführen, deren großer Ofen täglich ununterbrochen in Betrieb ist. So hält sich der zarte Geruch dieses kräftigen, typischen Desserts, das historisch mit der strengen Karwoche in Zamora verbunden ist, das ganze Jahr über in der Altstadt.

Gebäude „Casa de las Conchas“

Beim Streichen mit den Fingern über die Fassade der Casa de las Conchas spürt man förmlich, wie der Stein an Relief gewinnt. Jede eingearbeitete Rille weist eine raue Struktur auf, die die Wärme der Sonne speichert, so dass das Ertastete zum Leitfaden für die Erkundung dieses Wahrzeichens von Salamanca in Kastilien und León wird.

An einer Wand aus goldenem Stein sind Dutzende von Muscheln als Reliefdarstellungen zu sehen, die rhythmisch hervorstehen und die Fenster umrahmen, die durch komplexe, zylindrische Gitter aus Schmiedeeisen geschützt sind. Schon wenn Sie sich dieser Fassade in Salamanca nähern, spüren Sie unter Ihren Fingerspitzen die poröse Rauheit des Sandsteins aus Villamayor. Beim Nachzeichnen der Konturen jeder Muschel erkennen Sie die präzisen Wellen ihrer Rillen, in denen sich tiefe Furchen und durch den Lauf der Jahrhunderte gerundete Kanten abwechseln. Diese taktile Lesart ermöglicht es Ihnen, die mehr als dreihundert Muscheln zu erkunden, die das Gebäude schmücken – ein Wahrzeichen, das den Stolz des Ordens von Santiago mit der zivilen Architektur verbindet und die massive Mauer in einen riesigen, dreidimensional gemeißelten Wandteppich verwandelt.

Yemas aus Ávila

Wenn man eine frisch zubereitete „Yema de Santa Teresa“ in den Mund nimmt, spürt man, wie die feine Zuckerkruste zerbricht und einen dichten, cremigen Kern freigibt. Eine Explosion konzentrierter Süße, die Jahrhunderte der Konditoreikunst im Herzen von Ávila in sich vereint.

Die zuckerigen Hände eines Konditors schneiden mit einem kleinen Spatel einen Zylinder aus leuchtend orangefarbenem Teig auf einer mit Zucker bestreuten Arbeitsfläche ab. Wer ein Stück davon probiert, spürt zunächst das körnige Kratzen des Zuckers auf den Lippen. Beim Reinbeißen gibt die hauchdünne, spröde Kruste einen äußerst weichen und cremigen Kern frei. Der Gaumen wird von einer tiefgründigen Süße durchflutet, die vom dichten und konzentrierten Geschmack des bei schwacher Hitze verarbeiteten Eigelbs geprägt ist. Dieses feine Gleichgewicht der Texturen entsteht aus einem schlichten Rezept, das ausschließlich aus geschlagenem Eigelb und Zuckersirup besteht und seit mehr als anderthalb Jahrhunderten im Schatten der Stadtmauern von Ávila auf traditionelle Art hergestellt wird.

Campo Grande

Bei einem Spaziergang auf den von Bäumen gesäumten Pfaden entdeckt man, wie der schrille, metallische Ruf der Vögel das unaufhörliche Rauschen des Wassers durchbricht. Eine Komposition aus klanglichen Kontrasten, die den Besucher beim Betreten des historischen Campo Grande in Valladolid umgibt.

Ein Pfau im Profil zeigt seine Brust und seinen Hals in intensivem Kobaltblau. Über seinem Kopf erhebt sich eine Krone aus feinen Federn vor dem Hintergrund dunkler Vegetation. An einem Teich im Park ist ein stetiges, tiefes Plätschern zu hören. Die Stille wird durch den Ruf des Vogels unterbrochen, ein schriller Laut, der zwischen den Bäumen widerhallt. Die Szene spielt sich im Campo Grande in Valladolid ab, einem historischen Park, in dem seit dem 19. Jahrhundert Pfauen in Freiheit leben.

Palencia, Calle Mayor

Ein Spaziergang unter den Arkaden der Calle Mayor bedeutet, die plötzliche Temperaturerleichterung im Schutz des Säulenganges zu spüren. Wenn man ihre Säulen berührt, lässt sich die Architektur mit den Fingerspitzen erfühlen – vom rauen Stein zum glatten Eisen im Herzen von Palencia.

Eine Reihe robuster Säulen aus hellem Stein stützt eine Arkade, über der sich schmiedeeiserne Balkone und holzverkleidete Erker in rötlichen Farbtönen von den gelben Wänden abheben. Hier, unter den Arkadengängen der Calle Mayor, spüren Sie im Schutz vor dem schneidenden Wind der Hochebene den plötzlichen Temperaturunterschied. Wenn Sie mit den Händen über den Sockel der Säulen streichen, spüren Sie unter Ihren Fingerspitzen einen Veränderung von der porösen, eiskalten Rauheit des behauenen Steins hin zur glatten, dichten und metallischen Oberfläche der Stützen aus Gusseisen. Dieser fast eineinhalb Kilometer lange überdachte Gang fungiert als eine weitläufige, durchgehende architektonische Hülle, die Geschäfte beherbergt und die Passanten vor dem rauen Winterwetter in der Stadt Palencia schützt.

Torrezno aus Soria

„Torreznos“ vereinen den perfekten Kontrast vom Knacken der schaumigen Kruste beim Aufbrechen zum salzig-saftigen Fleisch, das langsam auf der Zunge zergeht. Es ist die Spezialität, die die kulinarische Identität von Soria in Kastilien und León verkörpert wie keine andere.

Ein uriger Tontopf, randvoll mit dicken Stücken gebratenem Speck. Im Vordergrund sticht die goldbraune Kruste hervor, die mit kleinen, knusprigen Bläschen übersät ist und an Streifen aus magerem Fleisch und durchscheinendem Fett haftet. Das Geschmackserlebnis verändert sich völlig, sobald man ein Stück in den Mund nimmt. Beim Reinbeißen ist ein trockenes, kräftiges Knacken zu hören, gefolgt von einer intensiven Geschmacksexplosion. Die raue Textur der Kruste weicht dem heißen Fett, das auf dem Gaumen schmilzt und dabei intensive, salzige Noten sowie einen subtilen rauchigen Nachgeschmack entfaltet. Dieses Ergebnis wird durch einen zweistufigen Frittiervorgang erzielt – zunächst bei geringer Hitze, anschließend bei sehr starker Hitze –, der unerlässlich ist, um die aufgeblähte Haut des authentischen „Torrezno de Soria“ zu erhalten, einer kalorienreichen Speise, die speziell dafür entwickelt wurde, den eisigen und trockenen Wintern der Provinz standzuhalten.

Kathedrale von Burgos

Beim Streichen der Fingerspitzen über die Reliefs des Chors tut sich anhand der Texturen Geschichte kund. In der Kathedrale von Burgos wechselt man von der edlen Wärme des Renaissance-Nussbaumholzes zur kühlen Porosität des gotischen Steins.

Im Vordergrund offenbart das dunkle Nussbaumholz fein geschnitzte Kinderfiguren und menschliche Gesichter, die aus den Armlehnen des Chorgestühls hervorstechen und einen Kontrast zu dem Licht bilden, das durch die gotische Rosette fällt. Schon bei der ersten Berührung spüren Sie unter Ihren Händen die Wärme des Holzes, das im Laufe der Jahrhunderte glattgegriffen wurde. Die Finger gleiten über die sanften Rundungen der Renaissance-Reliefs und nehmen jede Falte und jeden präzise geformten Muskel wahr. Wenn Sie auf die Säulen zugehen, bemerken Sie eine plötzliche Veränderung: Die Temperatur sinkt, sobald Sie die raue, harte und nüchterne Oberfläche des Kalksteins berühren. Dieser taktile Kontrast prägt die Kirche, die aus dem Stein aus dem Steinbruch von Hontoria erbaut wurde – einem kalkhaltigen Material, das die Kälte Burgos isoliert und zurückhält und so den Kern aus warmem, geschnitztem Holz des Chors umhüllt.

Paseo de la Alameda

Ein Spaziergang auf dem Paseo de la Alameda unterhalb des Alkazars bedeutet, in ein natürliches Auditorium einzutauchen. Das unaufhörliche Rauschen des Flusses, der sich durch das Gebüsch schlängelt, vermischt sich in dieser üppig bewachsenen Ecke von Segovia mit dem Gesang Dutzender Vögel.

Hinter Steinbögen eröffnet sich ein Teich mit ruhigem Wasser, im Hintergrund ist der Alcázar von Segovia mit seinen spitzen Türmchen, umgeben von Zypressen und herbstlichem Wald, zu sehen. Von der Münzanstalt hinunter zum Paseo de la Alameda fällt das Gelände in Richtung des Eresma-Tals ab. Das vorherrschende Geräusch ist das Rauschen des Wassers, das zwischen den Felsen fließt, begleitet vom Gesang der Vögel, der in der felsigen Umgebung widerhallt. Der Zusammenfluss der Flüsse Eresma und Clamores hat dieses Tal geformt, das unterhalb der Festung als Naturraum mit hervorragender Akustik fungiert.

Plaza Santa María

Wenn man in der Mitte des Platzes stehen bleibt und den Klängen eines Straßenmusikers lauscht, lässt sich die Größe der Gebäude mit den Ohren wahrnehmen. Der Klang breitet sich wie ein natürlicher Verstärker aus, wenn er von den Granitfassaden der Plaza de Santa María in Cáceres zurückgeworfen wird.

Ein imposanter Turm aus goldfarbenen Steinblöcken mit Glockenturm und einem Portikus mit gotischen Bögen dominiert die Fassade der Konkathedrale, die von schlichten herrschaftlichen Palästen flankiert wird. Die Plaza Santa María in Cáceres wird von hohen, parallel zueinander verlaufenden Granitfassaden umschlossen, die einen kompakten städtischen Raum bilden. In dieser Umgebung wird der Schall von den Steinoberflächen zurückgeworfen und breitet sich mit großer Klarheit und starkem Nachhall über den gesamten Platz aus. Diese architektonische Gestaltung wirkt wie ein großer natürlicher Resonanzkörper.

Theater von Mérida

In der Mitte der Bühne des Römischen Theaters von Mérida kann man wahrnehmen, wie die Stimme klar und mühelos bis in die hintersten Reihen vordringt. Hier lässt sich eine jahrtausendealte Klangtradition erleben, die noch heute im Herzen der Extremadura nachhallt.

Die imposanten Marmorsäulen der Bühnenfront ragen beleuchtet aus der Dunkelheit der Nacht empor und flankieren unter dem schwarzen Himmel die Statuen von Göttern und Kaisern. Das Gelände zeichnet sich durch eine hervorragende Akustik aus. Der Klang erhebt sich und breitet sich klar im offenen Raum aus, mit gedämpftem Nachhall und kaum Echo. Die Schallwellen prallen von der großen Steinmauer ab und breiten sich in Richtung der halbkreisförmigen Tribüne aus. Das Theater wurde vor mehr als zweitausend Jahren nach mathematischen Gesichtspunkten entworfen, damit die Stimme der Schauspieler Tausende von Zuschauern auf den Rängen erreichen konnte.

Alcazaba Badajoz

Ein Spaziergang auf dem Wehrgang der Alcazaba ist wie eine Entdeckungsreise durch eine Geschichte, die man mit den Fingerspitzen lesen kann. Wenn man unter der Sonne die Hände auf ihre Mauern legt, spürt man die raue, warme und erdige Textur der Festungsanlage von Badajoz.

Ein Bogen in Ockertönen umrahmt einen von Stadtmauern gesäumten Gang, der unter klarem blauen Himmel zu einem Steinturm mit Glockenturm führt. Streicht man mit der Handfläche über die Wände, merkt man, dass sie nicht aus kaltem Granit bestehen. Vielmehr spürt man unter den Fingern die raue Reibung eines trockenen, porösen Mörtels, der die Wärme der Sonne speichert und sie in Form einer milden, konstanten Temperatur wieder abgibt. Außerdem lassen sich die unregelmäßigen Umrisse kleiner Kieselsteine ertasten, die in das erdige Material eingebettet sind. Diese raue und kompakte Struktur ist das Markenzeichen des Stampflehms aus gepresster Erde und Kalk, einer Bautechnik, die im 12. Jahrhundert zum Bau der Alcazaba von Badajoz verwendet wurde, der größten andalusischen Festung Europas.

Blindenmuseum

Wenn man mit den Fingern über die maßstabsgetreuen Nachbildungen gleitet, spürt man die erhabene Architektur direkt an den Fingerspitzen. Es geht darum, Reliefs, Rundungen und Texturen zu ertasten, die gigantische Volumen in greifbare Formen umsetzen – ein immersives Erlebnis im Blindenmuseum der Organisation ONCE in Madrid.

Mehrere Hände ertasten behutsam die stufenförmige Oberfläche eines halbkreisförmigen Modells. Die Finger gleiten über die konzentrischen weißen Reihen eines Amphitheaters, die auf einem glatten, roten Sockel angeordnet sind. Wenn man mit den Händen über diese Teile streicht, spürt man den Kontrast der Texturen unter den Fingerspitzen: den sanften Widerstand der stufenförmig geschnittenen Kanten, das leicht raue architektonische Material in Miniatur und den präzisen Übergang zwischen den verschiedenen strukturellen Ebenen. Die Hände nehmen den Raum wahr und tasten solide Formen ab, wodurch sie den Grundriss eines Gebäudes in eine physische Karte umsetzen. Dieser haptische Ansatz ermöglicht es, sich kolossale Dimensionen gedanklich vorzustellen. Das ONCE-Blindenmuseum in Madrid ist ein Vorreiter für diese Art von Erlebnis und beherbergt Dutzende monumentaler Nachbildungen, die dazu geschaffen wurden, durch Berührung erkundet und erfasst zu werden.

Königliche Wandteppichfabrik

Wenn man einen frisch gewebten Wandteppich streichelt, spürt man in jedem Knoten das Gewicht der Geschichte. Wenn man mit den Händen über diese dichten Gewebe aus Wolle und Seide streicht, spürt man die handwerkliche Kunstfertigkeit, die noch heute in der Königlichen Wandteppichmanufaktur von Madrid bewahrt wird.

Geschickte Hände halten ein kleines Metallwerkzeug, um einen blauen Faden auf einem straff gespannten Kettfadengestell zu verknoten und so die geometrischen Muster eines farbenfrohen Teppichs zu gestalten. Beim Berühren des Webstuhls spüren die Fingerspitzen die raue Reibung der gespannten Fäden, im Gegensatz zu den weichen, frisch abgeschnittenen Woll- und Seidenknoten. Wenn man auf die gewebte Oberfläche drückt, spürt man eine weiche und zugleich feste Dichte sowie ein feines Relief, das aus Tausenden kleiner faseriger Erhebungen besteht, welche die natürliche Wärme speichern. Diese kompakte Textur ist das Ergebnis einer methodischen Handwerkskunst: einer taktilen und millimetergenauen Choreografie, die den Stücken der Königlichen Wandteppichmanufaktur von Madrid Leben einhaucht und das Handwerk bewahrt, das seit mehr als dreihundert Jahren die Säle europäischer Paläste schmückt.

Musiker in El Retiro

Bei einem Spaziergang auf diesen Wegen ersetzen die Klänge der Streichinstrumente das Rauschen des Verkehrs. Man spürt, wie sich die Melodien mit dem Vogelgesang und dem Rascheln der Blätter vermischen und so mitten im Retiro-Park in Madrid eine Oase der Ruhe schaffen.

Drei junge Menschen – zwei an der Geige und einer am Cello – spielen auf einer weitläufigen, von Bäumen gesäumten Promenade im Retiro-Park in Madrid, auf der Spaziergänger unterwegs sind. Auf dem Boden liegen die Instrumentenkoffer. Die dichte Vegetation dient als Lärmschutzwand gegen den Lärm des Straßenverkehrs. In dieser Umgebung vermischt sich der Klang der Bögen auf den Saiten mit den Geräuschen des Parks, wie dem Gesang der Vögel und dem Rauschen des Windes in den Bäumen. Der Retiro-Park dämpft mit seinen 118 Hektar und mehr als 15.000 Bäumen den Stadtlärm und schafft einen ruhigeren Klangraum mitten in Madrid.

Calle de la Palma

Wenn man am späten Nachmittag die Calle de la Palma entlanggeht, spürt man den unterirdischen Puls der Stadt. Noch bevor die Türen geöffnet werden, dringen gedämpfte Akkorde und Tonaufnahmen durch die Ritzen und lassen das rege musikalische Leben des Madrider Stadtteils Malasaña erahnen.

Das unregelmäßige Kopfsteinpflaster und die großen Platten des Bürgersteigs glänzen feucht im Licht der Straßenlaternen, flankiert von schmalen Fassaden mit geschlossenen Rollläden. Wenn man am Nachmittag diese Straße entlanggeht, spürt man, dass der Boden leicht vibriert. Durch die schalldichten Türen der Lokale ist leise der Klang von Musikproben zu hören, wie beispielsweise ein Bass oder ein Schlagzeug. Der Klang dringt nach draußen und vermischt sich mit dem Gemurmel der Passanten. Die Calle de la Palma in Madrid war ein Zentrum der so genannten „Movida Madrileña“ und beherbergt auch heute noch ein Netzwerk kleiner Live-Musik-Clubs.

Schokoladenmanufaktur mit Café San Ginés

Wenn man den schmalen Durchgang betritt, der an der Calle Arenal beginnt, spürt man, wie die kalte Luft dicht und warm wird. Der intensive Duft von geröstetem Kakao und frittiertem Teig führt Sie direkt zum historischen Café San Ginés im Herzen von Madrid.

Die dunkelgrüne Holzfassade mit Glasfeldern, die von klassischen Laternen beleuchtet und von einem strahlenden orangefarbenen Neonschild mit der Aufschrift „Chocolatería San Ginés“ gekrönt wird, markiert den Eingang zum Lokal. An diesem Ort in der Gasse Pasadizo de San Ginés spüren Sie, wie die Kälte der Straße auf einen Schwall dichter Luft trifft. Die Luft ist von einem intensiven Duft nach geschmolzenem Kakao durchdrungen, mit gerösteten und einer leicht bitteren Note, die sich mit dem süßen, öligen Aroma des frisch frittierten Teigs vermischen. Dieser Duftkontrast umhüllt Sie vollkommen. Es ist der unveränderliche Duft der Gasse, eine unsichtbare Spur, die seit 1894 Nachtschwärmer und Literaten anzieht und die Küche des Cafés rund um die Uhr in Betrieb hält, um jeden Morgen Tausende dampfender Tassen dieser dickflüssigen, dunklen Flüssigkeit zu servieren.