Südlicher Innenhof der Archäologischen Nationalmuseums. Raum des Forum Romanum. Madrid © Luis Asín. Archäologisches Nationalmuseum

10 Einflüsse großer Zivilisationen in der spanischen Geschichte

Wir werden Ihnen jetzt eine Geschichte erzählen. Aber nicht nur irgendeine, sondern die Geschichte der Menschheit. Ein Hochgenuss. Wir beginnen vor einer Million Jahren mit den ersten Menschen, die den alten Kontinent bevölkerten. Weiterhin werden wir erfahren, wie die Höhlenmalerei entstand und zu was große Zivilisationen wie die der Ägypter oder mächtige Imperien wie das des alten Roms in der Lage waren. Und das alles, ohne Spanien zu verlassen. Können Sie sich das vorstellen?

1) Vor langer Zeit... als der »Homo antecessor« die Erde bewohnte

Ziehen Sie sich den Anzug , das Fell an und schnappen Sie sich eine Lanze, denn wir springen direkt in die Vorgeschichte. Na gut, vielleicht müssen Sie sich nicht gleich ein Fell überziehen. Es reicht auch, wenn Sie die Archäologischen Fundstätten von Atapuerca in Burgos besuchen. Es handelt sich hierbei um die weltweit wichtigsten Fundstätten, da hier Fossilien von fünf verschiedenen Spezies wie dem »Homo antecessor« und dem »Homo heidelbergensis« gefunden wurden.Hier können Sie sich wie ein echter Archäologe fühlen und verschiedene Bereiche erkunden. Anschließend können Sie bis in die Stadt Burgos fahren (etwas mehr als 20 Kilometer von Atapuerca entfernt) und das Museum der Evolutionsgeschichte des Menschen besichtigen.

2) Und plötzlich entdeckte der Mensch die Kunst

Nur wenige Erlebnisse sind so beeindruckend wie das Betrachten alter Höhlenmalereien. Plötzlich wird einem die Wichtigkeit der Geschichte bewusst. Und wenn es einen perfekten Ort in Spanien gibt, um genau das zu erleben, sind dies die Höhlen von Altamira in Kantabrien. Interessanterweise war es ein Mädchen, das als erstes die berühmten Gemälde entdeckte und zwar am ersten Ort, an dem die Existenz jungpaläolithischer Felskunst belegt werden konnte.Die Abbildungen von Bisons, Pferden, Hirschen und Händen sind so gut erhalten, dass man kaum glauben kann, dass sie vor etwa 35.000 und 13.000 Jahren entstanden sind. Der Zugang zur Höhle ist eingeschränkt (hier erhalten Sie weitere Informationen), weswegen eine exakte Nachbildung in einem mehr als empfehlenswerten Museum zu besichtigen ist.Um mehr über diese Geschichte zu erfahren, können Sie sich den neulich erschienenen Film Altamira mit Schauspielern wie Antonio Banderas anschauen.

3) Auf den Spuren der Phönizier

Wussten Sie, dass sich die älteste Stadt des Abendlandes in Spanien befindet? Die Rede ist von der Stadt Gadir, heute Cádiz, die 1.100 v. Chr. von den Phöniziern gegründet wurde. Sie können eine Archäologische Fundstätte besuchen, die einst der höchste Punkt der ehemaligen Insel Erytheia war, und erfahren, wie Häuser, Straßen und Werkzeuge im neunten Jahrhundert vor Christus aussahen.Die Phönizier waren auch Gründer eines anderen wunderschönen Ortes in Spanien, der Mittelmeerinsel Ibiza. An der Südküste der Insel, in der Gemeinde Sant Josep de sa Talaia, können Sie die phönizische Siedlung Sa Caleta aus dem späten achten Jahrhundert v. Chr. besuchen, um das Leben in dieser Handelskolonie nachzuempfinden. Und natürlich dürfen Sie sich nicht die Nekropolis von Puig des Molins entgehen lassen. Sie ist die am besten erhaltene ihrer Art aus der phönizischen Epoche und von unglaublichem historischen Wert.

4) Überreste der keltischen Kultur

Lassen Sie uns einen Zeitsprung nach vorne machen und uns in den Nordwesten Spaniens, nach Galicien, begeben, wo Sie die beeindruckenden Festungen kennenlernen können. Wir befinden uns in der Eisenzeit und treten ein in befestigte Dörfer, die mehr als 1.000 Jahre in Benutzung waren (ab dem 6. Jh. v. Chr. bis zum 6. Jh. n. Chr.).Eines der besten Dinge an einem Besuch dieser Orte ist die Höhe, in der sie sich befinden, durch die man von dort aus spektakuläre Ausblicke genießen kann. In Galicien gibt es Hunderte, wobei die bekanntesten befestigten Siedlungen die von San Cibrao de Las, die von Viladonga, die von Baroña und die von Santa Tegra sind.Auch in Asturien gibt es solche Siedlungen. Die wahrscheinlich bekannteste ist die Keltenfestung von Coaña.

5) Der einzige ägyptische Tempel in Spanien

Lassen Sie uns zum Betreten eines Tempels zu Ehren der Götter Amun und Isis in feierliche Stimmung kommen. Es mag Ihnen vorkommen, als würden wir über Ägypten sprechen, aber die Rede ist von Madrid.  Im Herzen der Stadt, in der Nähe der Plaza de España, erstrahlt der stolze Tempel von Debod, dessen Bau Anfang des zweiten Jahrhunderts v. Chr. begonnen wurde. Erweitert wurde er in der Epoche der römischen Kaiser Augustus und Tiberius.Doch wieso steht er in der spanischen Hauptstadt? Er war Im Jahr 1968 ein Geschenk von der ägyptischen Regierung, um dessen Überschwemmung durch den Bau des Assuan-Staudamms zu verhindern. Neben dem Versuch, die Szenen im Inneren zu entziffern, empfehlen wir Ihnen einen Besuch bei Sonnenuntergang. Was für ein Farbenspiel!

6) Das Vermächtnis des Römischen Reiches: Hispanien

Lassen Sie uns weiter reisen. Aller Zeit zum Trotz finden Sie In Spanien zahlreiche Beweise dafür, dass es einmal Hispanien war. Wir befinden uns im Zeitalter von Gladiatoren, Kaisern und beeindruckenden Bauwerken. In diesem Zusammenhang bleiben wir bei zwei Monumenten, die jedem den Atem rauben. Das erste ist das Aquädukt von Segovia. Es besteht aus 167 Steinbögen, die allein durch das Gleichgewicht der Kräfte miteinander verbunden sind, ganz ohne Mörtel. Kein Wunder, dass es sich der Legende nach um ein Werk des Teufels handelt.Das zweite ist das Theater von Mérida. Es wurde zwischen 16 und 15 v. Chr. erbaut und bot Platz für 6.000 Zuschauer. Die Magie dieses Ortes besteht darin, dass auch heute noch Aufführungen dort zu sehen sind.

7) Die Welt der Westgoten

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches befand sich die Zivilisation der Westgoten vom fünften bis zum achten Jahrhundert in Spanien. Sie machten Toledo zur Hauptstadt ihres Reiches. Tatsächlich befindet sich in dieser erstaunlichen „Stadt der drei Kulturen“ in der Kirche von San Román ein Museum über die westgotische Kultur, deren Kunst sich über die Straßen der Stadt erstreckt.Ein weiterer spannender Ort ist Recópolis (in Guadalajara), eine Stadt, die 578 vom König Leovigildo gegründet wurde von der heute noch archäologische Überreste geblieben sind.Das Sahnehäubchen dieses westgotischen Exkurses ist der Schatz von Guarrazar, der im Archäologischen Nationalmuseum in Madrid ausgestellt ist. Die mit Gold und Edelsteinen verzierten Kronen sind von unglaublicher Schönheit.

8) Acht Jahrhunderte der muslimischen Kultur: Al-Andalus

Die Ankunft der Araber im Jahre 711 war der Beginn einer langen Zeit, die uns erstaunliche Denkmäler hinterlassen hat. Zwei großartige Beispiele, die Sie besuchen können, befinden sich beide in Andalusien.  Beginnen wir mit der Moschee-Kathedrale von Córdoba, die sicherlich das wichtigste Bauwerk des islamischen Abendlandes ist. Ihre Geschichte (vom 8. bis 18. Jahrhundert) fasst die Entwicklung des Umayyaden-Stils in Spanien zusammen. Im Inneren des Monuments befinden sich mehr als 1.000 zweifarbige Säulen und Bögen, die Ihnen das Gefühl geben, in einer anderen Welt zu sein.Nicht weit entfernt, nämlich in Granada, befindet sich das Monument, das für die meisten als das schönste Spaniens gilt: Die Alhambra. Der Bau begann im dreizehnten Jahrhundert, zur Zeit der Taifa-Königreiche. Die Schlösser und Gärten der Alhambra sind von solcher Schönheit, dass Sie dort am liebsten für immer bleiben würden.

9) Die Zeit der christlichen Königreiche

Das Jahr 1492 war mit der Eroberung Granadas durch die Katholischen Könige und der Entdeckung Amerikas ein Wendepunkt in der Geschichte, ab dem das heutige Spanien Gestalt anfing, Gestalt anzunehmen. Auf dem Gebiet der Kunst erlebte Spanien die großen Stile des Mittelalters: Romanik und Gotik.Mit Blick auf die Romanik empfehlen wir Ihnen auf jeden Fall eine Stadt: Santiago de Compostela in Galicien. Die heutige Kathedrale, deren Bau 1075 begonnen wurde, ist nicht nur ein schöner, sondern auch besonderer Ort: das Endziel der Pilger des Jakobsweges, da die Geschichte besagt, dass dort die Reliquien des Apostels entdeckt wurden.In Hinblick auf die Gotik, wo Tempel immer höher und mit bunten Fenstern gebaut wurden, dürfen wir einige der großen Beispiele nicht vergessen: die Kathedralen von Burgos, León und Toledo.

10) Bis zur Unendlichkeit und darüber hinaus

Bevor Spanien zu dem Land wurde, das wir heute kennen, durchlebte es Zeiten großer Dynastien wie die der Habsburger und der Bourbonen. Im Madrid der Habsburger gab es beispielsweise die Alcázar-Festung, ein riesiges Bauwerk, das 1737 abbrannte, und auf dem schließlich der heutige beeindruckende Königliche Palast von Madrid mit seinen Gärten errichtet wurde.Tatsächlich hinterließen alle Kunstrichtungen, die nach der Gotik kamen, ihre Spuren in Spanien. Sowohl die Renaissance (Úbeda und Baeza sind hierfür gute Beispiele) als auch der Barock, der Neoklassizismus und die Moderne im zwanzigsten Jahrhundert. In Bezug auf diesen letzten Stil kann sich vor allem eine Stadt rühmen Barcelona. Kennen Sie die großen Werke von Gaudí wie die Sagrada Familia, den Park Güell oder das Haus Milà?

Wir wissen nicht, welche anderen großen Zivilisationen die Zukunft für Spanien bereit hält. Was wir aber wissen ist, dass das Land Eiszeiten, Entdeckungen, verschiedene Kulturen, Veränderungen der Denkweisen uns vieles mehr durchlebt hat, und dass diese Reise sehr bewegend, aber vor allem spannend war. 


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