Das kulturelle Erbe Spaniens, eines der reichsten und umfassendsten der Welt ist Ergebnis verschiedener Faktoren, die im Laufe von Jahrtausenden in der spanischen Geschichte zusammengewirkt haben. Bedeutenden Einfluss auf dieses übte u.a. die geographische Lage des Landes auf der iberischen Halbinsel, auf halbem Weg zwischen Afrika und Europa, zwischen Mittelmeer und Atlantischem Ozean, aus. Dieser wesentliche Einfluss prägte die vielen Ortschaften, die seit der Altsteinzeit bis heute in diesem Gebiet bestehen und das Land geformt und geschaffen haben.

Aus der Vorgeschichte stammen die Wandmalereien in der Höhle von Altamira (Kantabrien) – eine wahrhafte Sixtinische Kapelle des Quartärs – die Megalithen auf den Balearen sowie die Überreste des Königreichs Tartessos, die im Tal des Guadalquivir gefunden wurden. Die Eroberung Hispaniens durch die Römer brachte dem Land seine Muttersprache, Latein, die es mit vielen europäischen Ländern verschwisterte, und zugleich auch großartige architektonische und städtebauliche Anlagen, wie das Aquädukt von Segovia, die Brücke von Alcántara oder die Stadtanlagen von Italica, Sagunto, Ampurias, Tarragona und Mérida. Die beiden zuletzt genannten archäologischen Fundorte führten auch schließlich zum Erhalt der Auszeichnung “Erbe der Menschheit”.

Ab dem 8. Jahrhundert, im Anschluss an eine Epoche des Niedergangs, erreichte die Kunst in der Architektur wieder die einstigen hohen Maßstäbe mit dem vorrömischen Stil in Asturien (San Miguel de Lillo und Santa María del Naranco sind zwei bedeutende Bauwerke). Nach dieser Epoche ereigneten sich die verschiedenen arabischen Invasionen, die Jahrhunderte voller Kämpfe auslösten, aber gleichzeitig auch einen bereichernden Austausch zwischen den Kulturen förderten. Folge dieser Verbindung ist der Mudejarstil und die christlichmaurische Strömung, die zahlreiche Werke im ganzen Land hinterlassen hat. Das Gebiet, auf dem die Araber am weitesten verbreitet waren und den tiefsten Eindruck hinterließen ist der Süden der Halbinsel. Dort finden sich Wunder der Baukunst wie die Moschee und der Palast der Medina Azahara in Córdoba und natürlich auch die Alhambra in Granada. Im Norden, in dem der arabische Einfluss weniger ausgeprägt und flüchtiger war, wurden schnell wieder Verbindungen zu den traditionellen europäischen Kunstrichtungen geknüpft. Auf dem ganzen Jakobsweg finden sich deshalb unzählige Bauwerke der Frühromanik wie z.B. die Kathedrale von Jaca, San Isidoro in León, die Kirche San Martín de Frómista (Palencia) und der wunderschöne Eingangsbogen, der “Pórtico de la Gloria”, in Santiago de Compostela. Das 12. Jahrhundert brachte parallel dazu auch das erste Meisterwerk der spanischen Literatur hervor, den Cantar de Mío Cid, ein Gedichtepos, das die Schlachten zwischen Christen und Moslems beschreibt.

Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich in Spanien die Gotik, die, obwohl sie dem Nachlass traditioneller europäischer Strömungen entstammt, doch ein ganz eigenes Gepräge aufweist. Zunächst findet sich die Gotik der Zisterzienser in den Klöstern von Poblet (Tarragona) und Santa María la Real de las Huelgas (Burgos), dann der weiter entwickelte gotische Stil der Kathedrale von León, die katalanische Gotik im 14. Jahrhundert sowie daneben die flämische Gotik der Kathedralen von Sevilla, Burgos und Toledo. Das 15. Jahrhundert ist Zeuge zweier Ereignisse, die große Auswirkung auf die Geschichte der spanischen Kultur haben sollten: die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, die damit den Auftakt zur Verbreitung der spanischen Sprache in der ganzen Welt gibt. Im gleichen Jahr, 1492, veröffentlicht Nebrija die erste Grammatik der spanischen Sprache, eine erste detailgenaue Beschreibung unserer Sprache. In dieser Epoche, der Renaissance, weicht die Gotik allmählich dem Platereskenstil, der sich an den Universitäten von Salamanca, Valladolid und Alcalá de Henares, den weltbekannten kulturellen Zentren, eindrucksvoll nachvollziehen lässt.

Aber erst das 16. und das 17. Jahrhundert gehen als Goldenes Zeitalter der spanischen Kultur in die Geschichte ein. El Greco malt in Toledo seine Meisterwerke, Velázquez in Madrid, Murillo und Zurbarán in Sevilla. Es ist das Zeitalter der Gegenreform und in der Architektur das des Barock – aber auch des Herrerastils. Cervantes schreibt seinen Quijote, der zu den Schelmenromanen gezählt wird. Lope de Vega, Calderón de la Barca und Tirso de Molina führen das spanische Theater zu bisher nicht mehr erreichten qualitativen Höhen; im Bereich der Poesie gelingt das den Schriftstellern Quevedo und Góngora.

Das 18. Jahrhundert, das sogenannte Jahrhundert der Aufklärung, bescherte Spanien eine neue Herrscherdynastie, die Bourbonen, welche als Vertreter einer aufgeklärten Politik der spanischen Kultur mithilfe neuer kultureller Einrichtungen einen starken Aufschwung brachten: die Akademien für Sprache, Medizin, Jura und der schönen Künste sowie die spanische Nationalbibliothek in Madrid werden ins Leben gerufen. Daneben werden botanische Gärten angelegt und verschiedene technische Schulen gegründet. Ergebnis dieser Epoche sind die einzelnen neoklassischen Bauwerke Madrids wie beispielsweise das Gebäude des Prados, die Puerta de Alcalá und der Königspalast. Am Ende dieses Jahrhunderts zeichnet sich ein weiterer Höhepunkt der spanischen Kultur ab: die Gemälde Goyas.

Das folgende 19. Jahrhundert bringt die Romantik und mit dieser die Schriftsteller (Bécquer), Essayisten (Larra) und Dramaturgen (Echegaray), gleichzeitig erleben aber auch die regionalen, die katalanische und die galicische Kultur ihre Blüte mit der sogenannten “Renaixença”-Bewegung und der entsprechenden galicischen Strömung. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erlebt Spanien bis zum Spanischen Bürgerkrieg von 1936-39 einen sehr intensiven kulturellen Aufschwung in einer Epoche, deren bekannteste Vertreter den sogenannten literarischen Generationen von 98 und 36 angehören. Schon seit Ende des vorherigen Jahrhunderts konnte man in Barcelona die erstaunlichen Gebäude des Architekten Antonio Gaudí (die Kirche Sagrada Familia, der Güellpark) bewundern. In dieser Zeit entstehen auch die Gemälde Picassos (Nationalmuseum Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, die Picasso gewidmeten Museen in Barcelona und Málaga), Dalís (die Museen Dalí in Púbol, Figueres und Portlligat), Juan Gris (Museum Reina Sofía), Sorollas (Sorollamuseum, Madrid), Mirós (Miróstiftung, Barcelona) und Zuloagas (das Zuloagamuseum in Zumaia). Daneben werden auch das Kino mit Buñuel, die Poesie der sogenannten Generation von 27, der García Lorca, Alberti, Salinas, Aleixandre, Dámaso Alonso, Cernuda u.a. angehören, die Musik von Falla, Granados und Albéniz, die Philosophie von Ortega y Gasset sowie die Essays von Eugenio D’Ors weltweit bekannt.

Im Jahr 1936 beginnen die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs, in dem viele Künstler ihr Leben lassen müssen, wie García Lorca oder sich für das Exil entscheiden wie Alberti, Chacel, Salinas, María Zambrano u.a. Trotzdem schreitet der Schaffensprozess in und außerhalb des Landes unaufhaltsam fort. In den vierziger Jahren entstehen Romane, die mit Spanien sehr kritisch ins Gericht gehen, mit den Werken von Delibes, Cela, Laforet und Torrente Ballester. Das Theater leistet hier seinen Beitrag durch Buero Vallejo und Alfonso Sastre und die Poesie mit Rosales, Panero und Blas de Otero. Jahre später entwickelt sich in der Malerei eine abstrakte Strömung, der im Besonderen die unangepassten Künstler der Gruppe El Paso zugeordnet werden. Dieser Gruppe gehören u.a. Saura, Tapies, Zobel, Sempere, Rivera, Canogar und Guinovart, (Museum Reina Sofía, die Antoni Tàpies-Stiftung, das Museum für abstrakte spanische Kunst, Cuenca) sowie die Filme von Berlanga, Saura und Bardem an.

1975 erhält Spanien ein demokratisches Regierungssystem und im Zuge dieser politischen Veränderung finden die verschiedensten kulturellen Strömungen, die weder ästhetisch noch ideologisch vorbelastet sind, wieder ihren Weg ins Land. Heute ist Spaniens Kultur reichhaltig und umfassend, wie kaum eine andere durch die Schriftsteller Miguel Delibes, Francisco Ayala, José Hierro und Ana María Matute, die Maler Antonio López, Luis Gordillo, Eduardo Arroyo und Miquel Barceló. Bilder dieses letzten Künstlers finden sich in verschiedenen Museen, darunter das Reina Sofía, das valencianische Institut für Moderne Kunst in Valencia und im andalusischen Zentrum für zeitgenössische Kunst in Sevilla. Unter den Bildhauern finden sich Eduardo Chillida (Chillida-Leku-Museum in Hernani), Jorge Oteiza (Oteiza-Museum in Alzuza) und Agustín Ibarrola (Museen für schöne Künste in Bilbao und Vitoria).

Die Architektur erlebt derzeit eine große Blüte, die eng mit den Namen von Rafael Moneo auf nationaler Ebene (Museum für römische Kunst in Mérida und Kursaal, San Sebastián), Santiago Calatrava, von dem der Flughafen von Bilbao, die Stadt der Künste und der Wissenschaften in Valencia stammen, sowie Ricardo Bofill, der das Nationaltheater von Katalonien entwarf, verbunden ist. Aber auch zahlreiche ausländische Architekten haben Spuren in Spanien hinterlassen. Das bekannteste Beispiel dafür stellt das Guggenheimmuseum Bilbao dar, das von dem U.S. Amerikaner Franck Gehry erbaut wurde.

In der Musik sind besonders Alicia de Larrocha, Plácido Domingo, José Carreras, Montserrat Caballé und Teresa Berganza zu nennen im Ballett haben Joaquín Cortés, Víctor Ullate, Trinidad Sevillano und Arantxa Argüelles Weltruhm erlangt. Daneben sind auch neue Wirtschaftsbranchen entstanden: die Gastronomie Spaniens gehört mittlerweile zu den fortschrittlichsten, an deren Spitze Katalonien und das Baskenland stehen, die galicische Mode wird weltweit exportiert und spanische Verlage mit Sitz in Barcelona und Madrid verzeichnen ein ungebremstes Wachstum.




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